
Wolfgang
Amadeus Mozart
Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 um acht Uhr abends
als siebtes und zweites überlebendes Kind der Familie in Salzburg in der
Getreidegasse 9 in einer Dreizimmerwohnung eines Mehrfamilienhauses (Hagenauer
Haus), geboren. Er war ein Untertan des Salzburger Erzbischofs Sigismund Graf
von Schrattenbach, Fürst des Heiligen römischen Reiches. Seine Eltern, aus
beruflichen Gründen in das kirchliche Fürstentum Salzburg gezogen, waren der
aus Augsburg stammende fürstbischöfliche Kammermusikus (ab 1757 Hofkomponist
und ab 1763 Vizekapellmeister) Leopold Mozart und die aus Sankt Gilgen
stammende Anna Maria Pertl. Schon am Vormittag nach seiner Geburt wurde er im
Dom von Salzburg auf die Namen Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus
getauft. Der Rufname war Wolfgang bzw. Wolferl oder auch Woferl.
Bereits im Alter von vier Jahren erhielten er und seine fünf Jahre
ältere Schwester Maria Anna Walburga Ignatia, genannt „Nannerl“, vom Vater den
ersten Musik- und allgemeinbildenden Unterricht (Klavier, Violine und
Komposition). Schon 1761 zeichnete Vater Mozart ein Andante und ein Allegro
als des „Wolfgangerl Compositiones“ auf, denen ein Allegro und
ein Menuetto folgten, datiert auf den 11. bzw. 16. Dezember 1761. (Das
fälschlicherweise immer wieder als früheste Komposition genannte Menuett G-Dur
mit einem Menuett C-Dur als Trio KV 1 entstand vermutlich erst 1764). Auch
Mozarts Begabung im Klavier- und Violinspiel trat schnell hervor. 1762 folgten
seine ersten Auftritte.
Erste Konzertreisen Wolfgangs und seiner Schwester Nannerl mit den
Eltern wurden Anfang 1762 nach München und Herbst 1762 von Passau nach Wien
arrangiert, um dem Adel die talentierten Kinder zu präsentieren. Nach dem
Erfolg des Wunderkindes in München und Wien startete die Familie am 9. Juni
1763 zu einer ausgedehnten Tournee durch die deutschen Lande und Westeuropa,
die bis zur Rückkehr nach Salzburg am 29. November 1766 dreieinhalb Jahre dauerte:
München, Augsburg, Ludwigsburg, Schwetzingen, Heidelberg, Mainz, Frankfurt am
Main, Koblenz, Köln, Aachen, Brüssel, Paris (Ankunft am 18. November 1763),
Versailles, London (Ankunft am 23. April 1764), Dover, Belgien, Den Haag,
Amsterdam, Utrecht, Mecheln, erneut Paris (Ankunft 10. Mai 1766), Dijon, Lyon,
Genf, Lausanne, Bern, Zürich, Donaueschingen, Ulm und München, wo die Kinder
bei Hofe oder in öffentlichen Akademien musizierten. Während dieser Reisen
entstanden unter anderem die ersten Sonaten für Klavier und Violine (die vier
Sonaten für Klavier und Violine KV 6 bis 9 sind 1764 die ersten gedruckten
Kompositionen Mozarts) sowie die erste Sinfonie Es-Dur (KV 16).
Ein wichtiges Ergebnis dieser Reise war, dass Mozart in London mit
der italienischen Symphonie und Oper vertraut gemacht wurde. Dort lernte er
zudem Johann Christian Bach kennen, den er sich vielfältig zum Vorbild nahm.
1778 schrieb Mozart aus Paris nach dem dortigen Wiedersehen nach Hause: „…ich
liebe ihn (wie sie wohl wissen) von ganzem herzen – und habe hochachtung vor
ihm.“.
Der Rückkehr folgten erste Uraufführungen in Salzburg, darunter
auch die Schuloper Die Schuldigkeit des ersten Gebotes, die der
elfjährige Mozart zusammen mit den wesentlich älteren Salzburger Hofmusikern
Anton Cajetan Adlgasser und Michael Haydn komponiert hatte. Im September folgte
eine zweite Reise mit der Familie nach Wien. Um der grassierenden
Pockenepidemie zu entgehen, fuhren sie nach Brünn und Olmütz. Die Krankheit
erreichte aber Wolfgang und seine Schwester auch dort und hinterließ (lt.
mehreren Biografien) Narben in Wolferls Gesicht. Nach der Genesung der Kinder
kehrte Mozart am 10. Januar 1768 nach Wien zurück, wo er das Singspiel Bastien
und Bastienne (KV 50), die Waisenhausmesse (KV 139) sowie die Opera buffa La
finta semplice (KV 51) fertig stellte. Obwohl vom deutschen Kaiser Franz I.
bestellt, konnte die letztere nicht aufgeführt werden; Grund waren Intrigen der
so genannten italienischen Partei um den Hofintendanten Giuseppe
Affligio.
Nach 15 Monaten in Wien kehrte Mozart mit seiner Familie am 5.
Januar 1769 nach Salzburg zurück. Hier wurde La finta semplice am 1. Mai endlich aufgeführt, und hier erlebte er
am 27. Oktober mit der Berufung zum Dritten Konzertmeister der Salzburger
Hofkapelle die erste, wenn auch unbesoldete Anstellung.
Knapp drei Wochen später, am 13. Dezember 1769, brach Mozart mit
seinem Vater zu seiner ersten von drei außerordentlich erfolgreichen
Italienreisen auf, die – mit Unterbrechungen von März bis August 1771 und
Dezember 1771 bis Oktober 1772 – fast dreieinhalb Jahre dauerte.
Die erste Reise führte sie nach Verona, Mailand, Bologna, Florenz,
Rom, Neapel, Turin, Venedig, Padua, Vicenza, Verona, Innsbruck und zurück nach
Salzburg. Hier erholte sich Mozart bis zum Herbst, um danach zu einem längeren
(dritten) Aufenthalt in Mailand zu starten. Von Papst Clemens XIV. wurde er
1770 in Rom zum Ritter vom Goldenen Sporn ernannt, doch machte er im Gegensatz
zu Gluck von dem Privileg, sich „Ritter“ zu nennen, nie Gebrauch. In Rom gelang
ihm, nachdem er nur ein oder zwei Mal dem neunstimmigen Miserere von Gregorio
Allegri zugehört hatte, das Grundgerüst dieser (vom Vatikan streng geheim gehaltenen)
Partitur aus dem Gedächtnis fehlerfrei niederzuschreiben. Nicht klar ist,
inwieweit die Sänger Stimmen improvisierend koloriert haben und ob Mozart das
aufschreiben konnte.
Bei Padre Giovanni Battista Martini in
Bologna studierte Mozart Kontrapunkt. Nach einer Klausur wurde er in die Accademia Filarmonica di Bologna
aufgenommen. Dort begegnete er so bedeutenden Musikern wie Giovanni
Battista Sammartini, Niccolò Piccinni, Pietro Nardini und Giovanni Paisiello. Am 26. Dezember 1770 erlebte er die Uraufführung
seiner Opera seria Mitridate, Rè di Ponto (KV 87) in Mailand, deren
Publikumserfolg zu zwei weiteren Aufträgen führte: der Serenata teatrale
Ascanio in Alba (KV 111, Uraufführung in Mailand am 17. Oktober 1771)
sowie des Dramma per musica Lucio Silla (KV 135), Uraufführung in
Mailand in der Saison 1772/73. Am 15. Dezember 1771 kehrten Vater und Sohn nach
Salzburg zurück, nachdem sich Hoffnungen auf eine Anstellung in Italien nicht
erfüllt hatten.
Im Jahr 1772 wurde Hieronymus Franz Josef von Colloredo zum
Fürsterzbischof von Salzburg gewählt; er folgte dem verstorbenen Sigismund
Christoph Graf von Schrattenbach. Vom neuen Fürsten wurde W. A. Mozart im
August zum besoldeten Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle ernannt.
Trotzdem führte dies nicht zu einem Ende seiner vielen Reisen mit dem Vater.
Wolfgang versuchte weiterhin, dem engen Reglement des Salzburger Dienstes zu
entkommen: vom 24. Oktober 1772 bis zum 13. März 1773 folgte die dritte
Italienreise zur Uraufführung des Lucio Silla, während der auch das Exultate,
jubilate entstand, und von Mitte Juli bis Mitte Ende September 1773 die
dritte Reise nach Wien. Im selben Jahr entstand auch sein erstes
Klavierkonzert. Ab Oktober 1773 bewohnte die Familie Mozart den ersten Stock
des Tanzmeisterhauses, welches zuvor dem Salzburger Hoftanzmeister Franz
Gottlieb Spöckner (ca. 1705–1767) gehört hatte.
Nach einer längeren Pause folgte am 6. Dezember 1774 eine Reise in
das nahe München zur Uraufführung der Opera buffa La finta giardiniera
(KV 196). Am 13. Januar 1775 und nach der Rückkehr am 7. März versuchte W. A.
Mozart erneut, sich auch in Salzburg als Künstler der Musik zu etablieren. Er
ließ zum Beispiel das Dramma per musica Il rè pastore am 23.
April 1775 in Salzburg uraufführen, das allerdings beim Publikum nicht gut
ankam. Nach mehrfachen erfolglosen Bitten um Urlaub reichte er 1777 sein
Abschiedsgesuch beim Fürsterzbischof ein und bat um Entlassung aus der
Salzburger Hofkapelle.
Nach seiner Entlassung aus den Diensten des Fürsten begab sich W.
Mozart am 23. September 1777 mit seiner Mutter auf eine Städtereise; er
versuchte eine neue und bessere Anstellung zu finden. Zuerst sprach er
(vergeblich) am bayerischen Herzoghof in München vor, danach in Augsburg und am
Hof des Mannheimer Kurfürsten Karl Theodor, wo er das kurfürstliche Orchester
und dessen Kapellmeister, seinen späteren Freund Christian Cannabich, kennen
lernte (siehe auch Mannheimer Schule). Aber auch hier bekam er weder eine
Anstellung noch irgendwelche musikalischen Aufträge. Er lernte aber die Familie
Weber kennen und deren Tochter Aloisia, eine junge Sängerin und spätere
Münchner Primadonna, in die er sich verliebte.
Nach fünf Monaten in Mannheim fuhren er und seine Mutter, vom Vater
gedrängt, weiter nach Paris, wo sie am 23. März 1778 ankamen. Dort konnte
Mozart immerhin seine Ballettmusik Les petits riens aufführen, bekam
darüber hinaus aber keine weiteren Engagements. Am 3. Juli 1778, um 10 Uhr
abends, verstarb seine Mutter.
Die Rückreise nach Salzburg, die er widerwillig knapp drei Monate
später (am 26. September) antrat, um die vakante Stelle eines Hoforganisten
anzutreten, führte ihn über Straßburg, Mannheim und Kaisersheim nach München,
wo er noch einmal der Familie Weber begegnete. Erst Mitte Januar 1779 erreichte
er seine Heimatstadt und wurde wenige Tage später, am 17. Januar, zum
Hoforganisten ernannt. Hier komponierte er die Krönungsmesse (KV 317).
Dieser erneute Versuch mit einem Engagement in Salzburg ging
20 Monate leidlich gut, obwohl das Verhältnis zum Erzbischof angespannt
blieb, auch da dieser ihm die Mitwirkung an einträglichen Konzerten in Wien
untersagte. Bei einer erneuten Reise am 5. November 1780 nahm er in München an
der Uraufführung seiner Opera seria Idomeneo (KV 366) am 29. Januar 1781
teil. Danach nahm Mozart in Wien im Auftrag des Erzbischofs an Akademien der
Salzburger Hofmusiker teil. Nach zwei heftigen Auseinandersetzungen mit dem
Erzbischof kam es dort zum endgültigen Bruch. Mozart kündigte am 8. Juni 1781
den Salzburger Dienst auf, ließ sich in Wien nieder und bestritt dort in den
nächsten Jahren seinen Lebensunterhalt durch Konzerte in privaten und
öffentlichen Akademien.
Befreit von den Salzburger „Fesseln“ schuf der nun unabhängige
Komponist und Musiklehrer, der ständig auf der Suche nach Auftraggebern und
Klavierschülern war und der sich auch nicht scheute, auf „Vorrat“ zu arbeiten,
die ganz großen Opern. Am 16. Juli 1782 wurde das vom Kaiser des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation und österreichischen Erzherzog Joseph II. in
Auftrag gegebene Singspiel Die Entführung aus dem Serail (KV 384) in
Wien uraufgeführt. Es folgten am 1. Mai 1786 die Uraufführung der Opera
buffa Le nozze di Figaro (KV 492), am 29. Oktober 1787 die Uraufführung des Dramma giocoso Don
Giovanni (KV 527) in Prag, am 26. Januar 1790 die Uraufführung der Opera
buffa Così fan tutte (KV 588) wieder in Wien (die letzten drei nach
Libretti von Lorenzo Da Ponte), am 6. September 1791 die Uraufführung der Opera
seria La clemenza di Tito (KV 621) in Prag und am 30. September 1791 die
Uraufführung der großen Oper Die Zauberflöte (KV 620) in Emanuel
Schikaneders Theater im Freihaus auf der Wieden. Geschichte und Texte der Zauberflöte
gehen auf Emanuel Schikaneder zurück und stellen eine spekulative Mischung aus
einem Vorgängerwerk („Der Stein der Weisen“), einem Märchen von Wieland und
freimaurerischen Attributen dar. In dieser Phase komponierte Mozart außerdem
die Messe in c-Moll (KV 427) (1783) und wichtige Instrumentalwerke: die
sechs Joseph Haydn gewidmeten Streichquartette (KV 387, 421, 428, 458, 464,
465) (1785), die Linzer Sinfonie (KV 425), die Prager Sinfonie (KV 504) (1786)
und Eine kleine Nachtmusik (KV 525) (1787) sowie die drei letzten Sinfonien
Es-Dur (KV 543), g-Moll (KV 550) und C-Dur (Jupiter-Sinfonie, KV 551) (1788).
In Wien lernte Mozart Gottfried van Swieten kennen, den Präfekten
der kaiserlichen Bibliothek (heute: Österreichische Nationalbibliothek) und
ausgewiesenen Musikliebhaber. Dieser machte ihn mit den Arbeiten von Johann
Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel bekannt, als er ihm (um 1782/83) die
Manuskripte, die er während seines langen Aufenthalts in Berlin gesammelt
hatte, bei den regulären Sonntagskonzerten in van Swietens Räumen in der
Kaiserlichen Bibliothek zur Verfügung stellte. Die Begegnung mit diesen
Barockkomponisten machte einen tiefen Eindruck auf Mozart und hatte umgehend großen
Einfluss auf seine weiteren Kompositionen.
Am 4. August 1782 heiratete Mozart Constanze Weber, die Schwester
Aloysias, die er drei Jahre zuvor in Mannheim kennen gelernt hatte und die in
den folgenden Jahren sechs Kinder von ihm zur Welt brachte: Raimund Leopold
(1783), Karl Thomas (1784), Johann Thomas Leopold (1786), Theresia Konstantia
Adelheid Friderika (1787), Anna (1789) und Franz Xaver Wolfgang (1791), von
denen vier bereits nach kurzer Zeit starben. Lediglich Karl Thomas und Franz
Xaver überlebten die Kinderzeit. Großvater bzw. Vater Leopold Mozart starb am
28. Mai 1787, den Wolfgang M. in seinen Wiener Jahren noch zweimal besuchte
(1783) bzw. der bei ihm zu Besuch war (1785).
Durch seine Freundschaft mit Otto Heinrich von Gemmingen-Hornberg,
trat Mozart am 14. Dezember 1784 in die Wiener Freimaurerloge Zur
Wohltätigkeit ein. Mozart besuchte regelmäßig die Wiener Loge Zur wahren
Eintracht, in der der Freimaurer und Illuminat Ignaz von Born Stuhlmeister
war. Dort wurde er am 7. Januar 1785 zum Gesellen befördert. Er konnte aber am
11. Februar nicht bei der Initiation seines Freundes Joseph Haydns anwesend
sein, da er am selben Abend, an dem auch sein Vater Leopold Mozart aus Salzburg
angekommen war, das erste seiner sechs Subskriptionskonzerte in der Mehlgrube
gab und dabei den Solopart seines Klavierkonzertes in d-Moll KV 466 spielte.
Auf Mozarts Veranlassung wurde auch sein Vater Leopold Mozart Freimaurer:
Dieser wurde am Mittwoch, den 6. April 1785 in der Bauhütte seines Sohnes als
Maurerlehrling eingeweiht, und am 16. und 22. April 1785 in der Loge Zur
wahren Eintracht in den 2. resp. 3. Grad erhoben.
Speziell in seinen Opern Die Zauberflöte und Le nozze di
Figaro sind gesellschaftskritische Töne aus dieser Mitgliedschaft zu
spüren. Am 7. Dezember 1787 wurde er zum k.k. Kammermusicus ernannt (mit einem
stattlichen Jahresgehalt von 800 Gulden für das Komponieren von ein paar Tänzen
im Fasching) und am 9. Mai 1791 zum (unbesoldeten) Adjunkten des
Domkapellmeisters von St. Stephan, Leopold Hoffmann.
Mit der Aufführung von Le nozze di Figaro 1786, die Josef
II. trotz des systemkritischen Inhalts freigab, überforderte er das Wiener
Publikum derart, dass es sich von ihm zurückzog und so seine wirtschaftliche
Situation verschlechterte, ohne dass er dieser Tatsache mit seinen Ausgaben
Rechnung trug. Dieser Misserfolg war ein Wendepunkt in seinem Leben. Erfolg
hatte er in dieser Zeit nur in Prag. Abseits der Wiener Öffentlichkeit erschuf
er die Werke seiner letzten Lebensjahre. Vergeblich versuchte er mit erneuten
Reisen, die wirtschaftliche Talfahrt aufzuhalten.
Diese Reisen führten ihn zu den Aufführungen nach Prag (8. Januar
bis Mitte Februar 1787 und Ende August bis Mitte September 1791), aber auch mit
dem Fürsten Karl Lichnowsky über Prag, Dresden und Leipzig nach Potsdam und
Berlin zum preußischen König Friedrich Wilhelm II. (8. April bis 4. Juni 1789),
sowie nach Frankfurt am Main zur Krönung Kaiser Leopolds (23. September bis
Anfang November 1790). Auf Heimreisen machte er Station in Mannheim und München.
Aber weder die Reise nach Berlin 1789 noch jene nach Frankfurt 1790
verhalfen ihm zu Wohlstand. In Berlin erhielt er weder Einnahmen noch eine
Anstellung. Die vom Kaiser erbetene Oper Così fan tutte fand nur mäßigen
Anklang, und auch der Auftritt in Frankfurt am Main sowie die Uraufführung von La
clemenza di Tito in Prag fanden wenig Resonanz. Erst der große Beifall für
die Zauberflöte versprach wirtschaftliche Besserung.
Nach der Uraufführung von La clemenza di Tito in Prag war
Mozart Mitte September 1791 nach Wien zurückgekehrt und hatte sich sofort in
die Arbeit für die Uraufführung der Zauberflöte gestürzt, die zwei
Wochen später – endlich wieder mit Erfolg – über die Bühne ging. Gleichzeitig
hatte er die Motette Ave verum corpus ausgearbeitet und mit der
Niederschrift des Requiems (KV 626) begonnen, die er jedoch nicht mehr
abschließen konnte. Franz Xaver Süßmayr, einer Aussage Constanze Mozarts
zufolge 1790/91 ehemaliger Schüler Mozarts, vollendete dasselbe.
Wenige Wochen nach der Uraufführung der Zauberflöte am 30.
September 1791 wurde Mozart bettlägrig, am 5. Dezember um 1 Uhr früh starb er
und wurde am Tag darauf beerdigt. Er wurde nicht ganz 36 Jahre alt.
Die Todesursache ist nicht geklärt. Genannt werden „hitziges
Frieselfieber“ (Diagnose des Totenbeschauers), Rheuma (Rheumatisches Fieber),
Syphilis (eventuell mit Quecksilbervergiftung), Trichinen, Purpura
Schönlein-Henoch, Nierenversagen, Herzversagen und Aderlass. Möglicherweise ist
Mozarts Todesursache bereits in einer Erkrankung während seiner Kindheit zu
suchen; die moderne Medizin tendiert dabei zu einer Infektion mit
Streptokokken, die unzulänglich behandelt wurde und somit zu Herz- bzw.
Organversagen führte.
Er selbst war davon überzeugt, vergiftet worden zu sein, und
äußerte sich gegenüber Constanze dazu wenige Wochen vor seinem Tod während
eines Besuchs im Prater: „Gewiß, man hat mir Gift gegeben.“ Für einen Giftmord
gibt es allerdings keinerlei dokumentierte Anhaltspunkte. Die ersten Legenden
zirkulierten schon kurz nach Mozarts Tod. Die wohl berühmteste davon schreibt
seinem angeblich missgünstigen Kollegen Antonio Salieri die Täterschaft zu, der
sich überdies kurz vor seinem eigenen Tod als Mörder Mozarts bezeichnet haben soll.
Beigesetzt wurde der große Komponist in einem allgemeinen Grab am
Sankt Marxer Friedhof. Seine Witwe besuchte das Grab zum ersten Mal erst nach
17 Jahren. 1855 wurde der Standort seines Grabes so gut wie möglich bestimmt
und 1859 an der vermuteten Stelle ein Grabmal errichtet, das später von der
Stadt Wien in die Gruppe der Musiker-Ehrengräber am Zentralfriedhof (32 A-55)
übertragen wurde. Auf der alten freigewordenen Grabesstelle wurde in
Eigeninitiative des Friedhofswärters Alexander Kugler abermals eine
Mozart-Gedenktafel errichtet, die mit der Zeit aus Spolien anderer Gräber zu
einem Grabmal ausgebaut wurde, und heute eine viel besuchte Sehenswürdigkeit
ist.
Die These vom „verarmten Genius Mozart“ stammt aus der Romantik.
Jeder Biograph versuchte Mozart „noch ärmer zu machen“. Besonders in der
Öffentlichkeit ist das Klischee vom „armen Mozart“ noch verbreitet, während es
die neuere Forschung ablehnt. Mozart war sicher nicht reich im Vergleich zu
einem Grafen oder Fürsten, reich war er aber gegenüber den anderen Angehörigen
seines Standes: dem vierten Stand der Bürger.
Nach heutigen Maßstäben war Mozart ein Großverdiener, dennoch war
er aufgrund seines Lebenswandels oft in finanziellen Nöten. Für ein Engagement
als Pianist erhielt er nach eigenen Angaben „wenigstens 1.000 Gulden“ (zum
Vergleich: Seiner Magd bezahlte er einen Gulden pro Monat). Zusammen mit seinen
Klavierstunden, für die er jeweils zwei Gulden berechnete, und seinen
Einkünften aus den Konzerten und Auftritten, verfügte er über ein
Jahreseinkommen von rund 10.000 Gulden, was nach heutiger Kaufkraft etwa
125.000 € entspricht. Dennoch reichte das Geld nicht für seinen
aufwendigen Lebensstil, so dass er oft genug andere, wie Johann Michael Puchberg,
einen Logenfreund, um Geld anpumpte. Er bewohnte große Wohnungen und
beschäftigte viel Personal, außerdem hegte er – so wird angenommen –
eine Leidenschaft für Karten- und Billardspiele mit hohen Einsätzen, wodurch er
große Summen verloren haben könnte. Der wertvollste Einzelposten seiner
Hinterlassenschaft waren laut Verlassenschaftsverzeichnis nicht die
zahlreichen wertvollen Bücher oder Musikinstrumente in seinem Besitz, sondern
es war seine teure Kleidung.
Falsch ist, dass er völlig mittellos starb. Vielmehr ist richtig,
dass er als Musiker standesgemäß in einem „einfachen allgemeinen Grab“
bestattet wurde. Richtig ist allerdings auch, dass Mozarts Witwe die
verbliebenen Verbindlichkeiten nur begleichen und den Lebensunterhalt der
Familie für einige Zeit decken konnte, weil ihr von Kaiser Leopold II. eine
Pension und der Gewinn aus einem Benefizkonzert, für das der Kaiser selbst
einen großzügigen Betrag gab, zugesprochen wurden.
Richtig ist, dass der Leichenzug nicht von Freunden und Verwandten
zum St. Marxer Friedhof begleitet wurde. Falsch ist, dass dies aufgrund der
Wetterverhältnisse geschah. Richtig ist vielmehr, dass der Transport der
Leichen erst nach 18 Uhr erfolgen durfte, als es schon dunkel war. Es gab also
keine Möglichkeit, den Leichenzug zu begleiten. Außerdem war damals in Wien das
Begleiten des Leichnams bis zum tatsächlichen Grab unüblich. Mit der Aussegnung
in Sankt Stephan waren die zu jener Zeit vorgesehenen Begräbnisfeierlichkeiten
beendet.
Erst 17 Jahre nach Mozarts Tod versuchte seine Frau Constanze, das
Grab ihres Mannes zu finden. Da es aber keine Kreuze oder Bezeichnungen der
Gräber gab, musste man sich auf höchst unsichere Erinnerungen der
Friedhofsangestellten verlassen. Es ist daher nicht möglich anzugeben, wo
Mozart beerdigt worden ist.
„Hochrangige“ Experten konnten erstmals eine DNA-Analyse und eine
chemische Prüfung an dem Schädel durchführen. Das für die DNA-Analyse
erforderliche Vergleichsmaterial stammte von Skeletten, die aus dem
„Familiengrab“ der Mozarts auf dem Salzburger Friedhof St. Sebastian geborgen
wurden. Leopold Mozart ist nicht in diesem Grab, sondern in der Kommunalgruft
begraben. Das im Januar 2006 veröffentlichte Ergebnis erbrachte somit mangels
Vergleichmaterials keinerlei Hinweise auf die Echtheit des Schädels.
Am 28. Januar 1756 – einen Tag nach seiner Geburt – wurde Mozart
auf die Namen Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus getauft. Der
erste und letzte der genannten Vornamen verweisen auf den Taufpaten Joannes
Theophilus Pergmayr, Senator et Mercator Civicus, der mittlere auf Mozarts
Großvater Wolfgang Nicolaus Pertl und damit letztlich auf den Heiligen
Wolfgang, den Schutzpatron Oberösterreichs und Namensgeber des Sees, an dem die
Familie Pertl lebte. Das griechische Theophilus („Gottlieb“) hat Mozart später
in seine französische Entsprechung Amadé bzw. (selten) latinisierend Amadeus
übersetzt.
Sein Rufname war zeitlebens Wolfgang. In der Zeit der
Italienreisen nannte er sich oft Wolfgango Amadeo Mozart. Als
Erwachsener unterschrieb er zumeist als Wolfgang Amadé Mozart, wenn
nicht überhaupt nur als Wolfgang Mozart (so etwa trug er sich in die
Anwesenheitsliste der Wiener Freimaurerloge „Zur Wohlthätigkeit“ ein). Amadeus
nannte er sich nur im Scherz in drei seiner Briefe. Die Namensform Wolfgang
Amadeus erschien zu Mozarts Lebzeiten offiziell nur einmal, und zwar im
Frühjahr 1787 in einem amtlichen Schreiben der Niederösterreichischen
Statthalterei. Die erste postume amtliche Nennung Mozarts mit dem latinisierten
Vornamen ist die Eintragung im Totenbeschauprotokoll des Wiener Magistrats am
5. Dezember 1791. Erst im 20. Jahrhundert wurde dieser von Rundfunkanstalten
und Plattenfirmen weltweit durchgesetzt. In Umlauf gebracht hat sie der Dichter
E. T. A. Hoffmann, der sich aus Bewunderung für Mozart Ernst Theodor Amadeus
Hoffmann nannte.
Der dänische Neurologe und Psychiater Rasmus Fog spekulierte 1985
über eine mögliche Erkrankung Mozarts am Tourette-Syndrom. 2005 untersuchte der
irische Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie Michael Fitzgerald in
seiner Veröffentlichung The Genesis of Artistic Creativity die Frage, ob
Mozart das Aspergersyndrom gehabt hätte. Anhand des biographischen Materials
hält er es durchaus für möglich. Wegen Mozarts Hyperaktivität und Impulsivität
würde aber eher eine Diagnose von ADS zutreffen.
Mozart schrieb, beginnend im Jugendalter, während seines Lebens
zahlreiche Briefe, die ein Kennenlernen seiner Persönlichkeit und seiner
musikalischen Ansichten und Arbeitsweisen ermöglichen und so eine wichtige
Forschungsbasis zu Mozarts Leben und Werk liefern. Der wichtigste briefliche
Korrespondenzpartner war Mozarts Vater Leopold Mozart.
Joseph Haydn würdigte Mozarts Musik in schlichten Worten, als er
1785 nach dem ersten Hören der ihm von Mozart gewidmeten Streichquartette
Leopold Mozart versicherte:
„[…] ich sage
ihnen vor gott, als ein ehrlicher Mann, ihr Sohn ist der größte Componist, den
ich von Person und den Nahmen nach kenne: er hat geschmack, und über das die
größte Compositionswissenschaft.“
Mozart selbst bekannte in einem Brief an seinen Vater vom 7.
Februar 1778:
„denn ich kann
so ziemlich, wie sie wissen, alle art und styl vom Compostitions annehmen und
nachahmen.“
Es ist eine nachweisbare Eigenheit Mozarts, dass er während all
seiner Kompositionsperioden Musik der verschiedensten Stile in sich aufgenommen
und hieraus mannigfaltige Anregungen geschöpft hat. Wesentlich geprägt ist sein
Kompositionsstil von süddeutschen und italienischen Stilelementen der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die frühesten Einflüsse stammen von seinem
Vater und den Salzburger Lokalkomponisten. Wie sehr Mozart zunächst seinem
Umfeld verhaftet blieb, zeigt der Streit um die beiden „Lambacher“ Sinfonien,
bei denen lange unklar war, welche von Leopold Mozart und welche von Wolfgang
Amadeus Mozart stammt.
Bei seinen Reisen nach Italien lernte er den dortigen Opernstil
kennen, der ihn zeitlebens stark geprägt hat und der ihm auch in London von
Johann Christian Bach vermittelt wurde. Großen Einfluss auf sein Schaffen hatte
die Begegnung mit dem Kontrapunkt: zuerst durch den Kompositionsunterricht bei
Padre Martini in Italien, später in Wien durch die praktische
Auseinandersetzung mit der Musik Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich
Händels, die er bei Gottfried van Swieten kennen lernte. Mozart dazu an seinen
Vater am 30. März 1783: „denn wir lieben uns mit allen möglichen Meistern zu
unterhalten; – mit alten und mit Modernen.“
Als typisch für Mozarts kompositorisches Schaffen lassen sich
exemplarisch folgende Punkte nennen:
Alles in allem schuf Mozart aus den von ihm vorgefundenen Stilen
und Kompositionstechniken dank seiner singulären kreativen Fähigkeiten Musik
von großer Komplexität und bedeutender Stilhöhe. Daran konnten Beethoven und
die Komponisten des 19. Jahrhunderts anknüpfen.
Die Werke Mozarts werden meist nach ihrer Sortierung im
Köchelverzeichnis (KV) gezählt, welches der chronologischen Reihenfolge des
Entstehens zu folgen versucht.
18 Messen, darunter
Mozart hat textierte und untextierte Kanons geschrieben. Unter den
textierten finden sich Werke mit kirchlichem Inhalt:
Es gibt aber auch Kanons mit zum Teil recht derbem Inhalt, der an
Mozarts „Bäsle-Briefe“ erinnert. In vielen Liederbüchern ist der originale
Text durch einen neuen, „entschärften“ ersetzt. So zum Beispiel:
Der vierstimmige Kanon KV Anh. 191 (1788; 562c) ist für zwei
Violinen, Viola und Bass gesetzt.
Quelle: Die
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